Santa Cristina

 

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Santa Cristina, BrunnenheiligtumDas Brunnenheiligtum

Der heilige Brunnen von Santa Cristina gehört zu den bedeutendsten und am besten erhaltenen nuraghischen Brunnentempeln von Sardinien. Erbaut wurde er ca. im 11. Jahrhundert v. Chr..
Erstmals erwähnt wurde die Stätte im Jahr 1857, allerdings wurde deren Funktion und Bedeutung damals noch nicht erkannt. Die ersten großen Ausgrabungen erfolgten erst 1953, dann weitere in meheren Etappen bis 2010.
Innerhalb einer niedrigen Außenmauer liegt der Vorraum zum Brunnen, in dem wahrscheinlich religiöse Zeremonien abgehalten wurden. Dahinter öffnet sich der trapezförmige Zugang zum eigentlichen Heiligtum.

 

 

Santa Cristina, Blick ins BrunnenheiligtumDer Eingang zum Brunnen befindet sich auf Erdboden-Niveau. Von hier führen 25 Stufen eine nach unten schmaler werdende Treppe hinunter.
Die gesamte Architektur besteht aus behauenen und geschliffenen Basaltblöcken. Beeindruckend ist die Präzession, mit der hier gebaut wurde.
Die Steinblöcke der Seitenwände sind horizontal verlegt, wobei sie schräge, fast ebene Flächen bilden, die sich nach oben nähern.
Die Decke des Zuganges besteht ebenfalls aus Basaltblöcken, die versetzt verlegt wurden, so dass sie eine Art umgedrehter Treppe bilden.
Unten gelangt man an einen runden Raum mit einem 7 Meter hohen Tholos-Gewölbe. Dieses Gewölbe reicht bis knapp über die Erdoberfläche und hat an der Spitze eine Öffnung für den Lichteinfall.
Der Boden hat einen Durchmesser von etwa 2,5 Meter und in der Mitte ein 50 cm tiefes Wasserbecken, das von Quellwasser gespeist wird.
Von der oberirdischen Konstruktion des Brunnens (falls sie überhaupt existiert hat) ist nichts erhalten.

 

Nuraghische SiedlungNuraghische Siedlung

In unmittelbarer Nähe zum Brunnenheiligtum stehen noch die Überreste von Hütten der Nuragher.
Der Größte davon ist die Mauer einer Rundhütte mit einem Durchmesser von ca. 10 Metern. Im Inneren befindet sich eine an der gesamten Mauer entlang laufende Sitzbank, der Boden ist gepflastert. Das Dach wurde ursprünglich aus Holzstangen und Zweigen gebildet. Vermutlich diente diese Hütte als Versammlungsraum der Gemeinschaft.
Daneben finden sich noch weitere Grundmauern von Hütten, deren Funktion nicht vollständig geklärt ist. Wahrscheinlich dienten sie als Wohnungen für die Priester und Pilger.

Kirche Santa Cristina

Kirche Santa Cristina

Nach dieser Kirche wurde der gesamte Komplex von Santa Cristina benannt. Insgesamt ist der Achäologie-Park etwa 14 ha groß.
Das Gotteshaus wurde im 12. Jahrhundert von Mönchen des Kamaldulenser-Ordens errichtet. Um die Kirche herum bestand eine christliche Ansiedlung.
Im Laufe der Zeit wurden etliche Renovierungs -und Umbaumaßnahmen durchgeführt, die das Aussehen der Kirche veränderten. Lediglich die Außenmauern blieben weitgehend original - in ihnen sind auch etliche Steinquader des antiken Brunnenheiligtums verbaut worden.
Seit Anfang des 19. Jahrhunderts gehört die Kirche zur Gemeinde von Paulilatino.

 

 

PilgerhäuserDie Pilgerhäuser

In der Nähe der Kirche stehen noch 36 einfache Häuser, die Muristenes oder Cumbessias genannt werden.
Die primitiven Gebäude dienten früher als Unterkunft für die Mönche und später als Herberge für die Pilger.
Die Verwendung dieser Häuser lässt sich bis in das 13. Jahrhundert zurück verfolgen. Während der spanischen Besetzung Sardiniens war die Verwendung der Muristenes weit verbreitet, wobei sich allerdings nur die Reichen eine Unterkunft nahe einer Kirche leisten konnten.
Die heute hier stehenden Gebäude stammen aus dem 18. Jahrhundert und werden anlässlich kirchlicher Feiertage immer noch genutzt.

Auf dem Platz zwischen Kirche und den Pilgerhäusern gibt es schöne schattige Picknickplätze.

 

Nuraghe Santa CristinaNuraghe Santa Cristina

Der Nuraghe steht ein Stück westlich der Kirche inmitten Schatten spendender Bäume.
Das Innere des imposanten Bauwerkes kann begangen werden, links vom Eingang führt eine schmale Treppe nach oben.

In der direkten Umgebung sind noch ein paar Hütten des Nuragherdorfes erhalten, die größte ist etwa 14 Meter lang.

Da es auf dem gesamten Gelände nur wenige Hinweistafeln gibt, empfiehlt es sich, an einer der regelmäßigen Führungen teilzunehmen.
Leider werden diese Führungen meist nur auf Italienisch angeboten.

 

Paulilatino, Museum

Paulilatino, Museum

Der Besuch des Museums ist im Ticket von Santa Cristina enthalten, allerdings ist das Museum während der Siesta geschlossen.
Der Palazzo stammt aus dem 18. Jahrhundert und war das edle Wohnhaus der berühmten Familie Atzori.
Zuletzt wohnte hier nur noch Giovanni Antonio Atzori, der Notar des Ortes. Er verstarb im März 1900 im Alter von 77 Jahren.
Später gelangte das Haus in den Besitz der Gemeinde von Paulilatino, die hier ein Museum einrichtete, das 1995 eröffnet wurde.

 

Museum, sardisches Schlafzimmer Die Ausstellung ist auf 14 Räume über drei Stockwerke verteilt. Am Eingang erhält man einen Audio-Guide, der in mehreren Sprachen (auch deutsch) über die Exponate informiert.
Im Erdgeschoss befindet sich eine multimediale archäologische Abteilung.
Die oberen Stockwerke gehören einer ethnografischen Ausstellung. Zu sehen sind Werkzeuge, landwirtschaftliche Geräte, Haushaltsgegenstände und Möbel, die bis vor ca. 50 Jahren noch zum Alltag auf Sardinien gehörten.
Weiterhin sind typische Kleidungsstücke der Region zu sehen und Beispiele der sardischen Brotkunst. Diese faszinierenden filigranen Backwerke werden vor allem für religiöse Feiertage gefertigt.

Anfahrt: Das Museum befindet sich im historischen Zentrum von Paulilatino in der Via Nazionale 127. Es ist etwa 4 km von Santa Cristina entfernt. (siehe Karte)
Meiden Sie am besten die Schnellstraße und fahren Sie auf der parallel verlaufenden Nebenstraße in den Ort. Dort stoßen Sie kurz nach dem Ortseingang auf die Via Nazionale und biegen links ab.